Best Practice Beispiel - Smart Competition: Mehr fahren und weniger warten
Die Renngruppe Albis des Skiclubs Hausen am Albis setzt bei den Kindeskirennen auf neue Inhalte. Smart Competition heisst das Format, das bei seiner Premiere für Begeisterung sorgte. Nun folgt die Zweitauflage.
Die Geschichte beginnt mit einer kontroversen Diskussion. Jahrelang hatte die Renngruppe Albis, eine Untersektion des Zürcher Skiclubs Hausen, das Kinderskirennen (Voitsport-Race) organisiert. Nun drohte dem traditionellen Anlass das Aus – wegen sinkender Nachfrage und eines übervollen Rennkalenders. Es war der Moment für einen Grundsatzentscheid: Wird das Ganze per sofort beendet – oder wagt man sich an ein neues Format?
Jan Herud gehört zu den treibenden Kräften hinter dem Projekt, die sich für die zweite Variante aussprachen. Der 49-jährige Unternehmer leitet die Renngruppe, sitzt im Vorstand des SC Hausen am Albis und engagiert sich mit Hingabe für den Nachwuchs. Als er sich mit der Frage auseinandersetzte, wie sich ein Renntag attraktiver gestalten lässt, stand für ihn fest: Die Kinder sollen möglichst viel fahren – und möglichst wenig Zeit mit Warten auf ihren Wettkampf verbringen. Die Lösung lieferte ein Konzept von Swiss-Ski: Smart Competition. Es geht im Kern darum, die Bewegungszeit der Kinder im Schnee zu vervielfachen.
Side Events bringen Abwechslung
Jan Herud kümmerte sich bei der Neuausrichtung um Sponsoren, führte Gespräche mit Eltern und war, so sagt er das, "der Papi". Als OK-Chefin stellte sich Steffi Bowles zur Verfügung, Mutter von zwei Kindern im Skiclub und früher selber Rennfahrerin auf FIS-Stufe. Die 41-Jährige steckt viel Aufwand in die Organisation der Veranstaltung, die zum einen neu drei Läufe mit Riesenslalom- und Slalomabschnitten beinhaltet. In die Wertung aufgenommen werden aber nur die besten zwei Durchgänge. Zum anderen wurde das Programm um sogenannte Side Events erweitert, bei denen die Kinder auf spielerische Art ihre skifahrerischen Fähigkeiten erweitern können.
Freies Fahren gehört ebenso zu den Side Events wie ein Parallelslalom oder Start- und Skating-Übungen. «Der Spass steht im Zentrum, betont Steffi Bowles. Gleichzeitig soll der Wettkampfcharakter beibehalten werden. Die sechs- bis neunjährigen Kinder werden in clubübergreifende Teams eingeteilt, lernen also neue Spielkameraden und alten Trainer kennen. Zudem werden sie nicht von ihren Eltern betreut, sondern von Gruppenleiterinnen oder Gruppenleitern. Die verantwortlichen Personen übernehmen eine bedeutende Rolle: «Sie sind der Schlüssel zum Erfolg», sagt Steffi Bowles, «sie sollen Freude am Skisport vermitteln und für eine gute Stimmung sorgen.» Mehrheitlich bringen die Leiterinnen und Leiter je J+S-Ausbildung mit.
Am 9. März 2025 feierte die RG Albis in ihrem Stammgebiet Brunni-Alpthal die Premiere. Die OK-Chefin war angespannt, aber die Nervosität legte sich rasch, auch deshalb, weil sie sich auf ein Team verlassen konnte. Neben Wettkampfleiter Patrick Holzner leisteten rund 50 freiwillige Helfer ihren Beitrag zu diesem Erlebnis.
Ein Sonderlob als Sondermotivation
Die vielen investierten Stunden haben sich gelohnt. "Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv - von "Wow!" bis "Mega!" war alles dabei", sagt Steffi Bowles. "Und für viele war klar: Wenn 2026 eine Zweitauflage stattfindet, wollen sie unbedingt wieder dabei sein." Im Artikel, der über das Voitsport-Race verfasst und auf der Homepage des Vereins publiziert wurde, berichten die Hausener von einem weiteren positiven Feedback: "Im Swiss-Ski-Wettkampfbericht erhielt der Anlass Bestnoten mit abschliessendem Sonderlob als Rennformat mit Zukunft."
atsächlich ist die nächste Austragung auf den 1. März 2026 terminiert. Steffi Bowles möchte vom grossen Planänderungen aber absehen: «Es klappte ja alles tadellos.» Einzige ihre Hoffnung ist, dass sie das Ziel der Anmeldungen steigt. 2025 waren es nur 65, nun hofft sie, dass die Hunderter-Grenze geknackt wird.
Nicht scheitern soll es an den eifrigen Leuten, die für den Tag weibeln und werben. Wer sich mit Jan Herud darüber und über die Nachwuchsförderung generell unterhält, spürt heraus, dass er allen Eltern empfiehlt, ihre Kinder zum Skifahren zu ermuntern. «Wenn ich die Begeisterung sehe, mit der sie im Schnee unterwegs sind, weiss ich, dass ich mich für etwas Gutes engagiere», sagt er. «Und wenn in einem Trainingslager 40 junge Menschen nach einem anstrengenden Tag strahlend zusammen Spaghetti essen, rührt mich das zu Tränen.»
Und noch etwas ist da: Der Leiter der Renngruppe des Skiclubs Hausen ist überzeugt, dass Kinder über das Sportliche hinaus profitieren, wenn sie den Rennsport betreiben. «Er fördert Selbstständigkeit, Mut, Disziplin, Ausdauer und Selbstbewusstsein», sagt Herud. «Ich wünsche mir, dass noch viel mehr Kinder Ski fahren.»
Smart Competition: Mehr fahren, weniger warten
Das Ziel von Smart Competition ist es, die Vielseitigkeit und die Freude der Kinder und Jugendlichen auf Skiern zu stärken. Gleichzeitig werden Rennqualität und effektive Aktivitätszeit erhöht, was auch die Persönlichkeitsentwicklung fördert. Bei gleich vielen Renntagen soll sich die tatsächlich gefahrene Skizeit – mit Fokus auf Qualität und Spass – idealerweise verdoppeln.
Im Zentrum stehen Animations- und Mini-Rennen. Klassische Formate wie Riesenslalom, Slalom oder Combi-Race bleiben erhalten, werden aber flexibler umgesetzt. Da eine Besichtigung in diesem Alter wenig Mehrwert bringt, wird darauf bewusst verzichtet. Stattdessen werden – wo immer möglich – mehrere Läufe gefahren, damit die Kinder mehr Zeit aktiv auf den Skiern verbringen. Ergänzende Side Events sorgen für Abwechslung und spielerische Elemente.
Nach einer erfolgreichen Pilotphase wurde das Wettkampfreglement auf der entsprechenden Stufe angepasst. Ein Leitfaden unterstützt die Veranstalter bei der Umsetzung. Diese ist freiwillig, wird von Swiss-Ski jedoch ausdrücklich empfohlen.
Text: Peter Birrer