Best Practice Beispiel - der Dollar aus dem Toggenburg
Um genügend Trainerinnen und Trainer für den Nachwuchs zu gewinnen, setzt Schnee Sport Churfirsten Toggenburg auf ein kreatives Modell: Die Entschädigung steigt mit dem persönlichen Einsatz. Die Währung existiert seit 2020. Mit ihr lässt sich im Dorfladen zwar kein Einkauf bezahlen, aber sie kann helfen, mehr und idealerweise qualifizierte Freiwillige für die Förderung des sportlichen Nachwuchses zu gewinnen.
Schnee Sport Churfirsten Toggenburg heisst der Verein im Tal der Churfirsten. Seine Verantwortlichen lamentieren nicht, sondern stellen sich Herausforderungen mit Kreativität. In diesem Fall hatten sie einen Einfall: Sie schufen einen eigenen Dollar. Genauer gesagt: den SSC-Dollar. Dazu später mehr.
Als es immer schwieriger wird, Trainerinnen und Trainer für den Nachwuchs zu behalten oder neu zu finden, ergreift Angelika Künzle die Initiative. Die 43-Jährige aus Unterwasser, Mutter von drei Kindern, tauscht sich mit Sabrina Sprenger aus, die beiden kennen sich als Jugend+Sport-Coaches an der Basis aus.
Aus mehreren Wurzeln ein Verein
Der SSC entstand 2009 durch eine Fusion der Skiclubs Wildhaus, Unterwasser, Alt St. Johann, der Renngemeinschaft Churfirsten sowie des Biathlonclubs Alpstein. 600 Mitglieder zählt er mittlerweile, unter ihnen rund 140 Kinder und Jugendliche, die in den Bereichen Alpin, Nordisch und Freestyle gefördert werden.
«Uns war klar: Wir müssen etwas unternehmen, um den jungen Menschen im Toggenburg weiterhin die Möglichkeit zu bieten, in einer Wintersportart geschult zu werden», sagt Angelika Künzle. «Dazu braucht es eine entsprechende Anzahl an Ausbilderinnen und Ausbildern, die wir möglichst aus den eigenen Reihen rekrutieren.»
Zusammen mit Sabrina Sprenger entwickelt sie die Idee, die eingangs erwähnte Währung einzuführen.
Entschädigung nach Einsatz
Die Ausgangslage ist simpel. Je mehr Zeit man investiert und je mehr spezifische Kurse man besucht, desto mehr SSC-Dollars sammelt man. Das schlägt sich automatisch auf dem «Lohnzettel» nieder.
Die Gruppenleiter erfassen die Stunden ihrer Trainerinnen und Trainer. J+S-Coach Sabrina Sprenger behält dank einer detaillierten Excel-Tabelle den Überblick und berechnet jeweils die Honorare, die aus dem Topf der J+S-Gelder stammen.
Das attraktive Prinzip funktioniert: Den Toggenburgern gelingt es, junge Menschen abzuholen, sie vom Sinn der Arbeit zu überzeugen und zu motivieren, sich in J+S-Kursen wertvolle Kompetenzen anzueignen. Meist handelt es sich dabei um ehemalige SSC-Nachwuchsleute, die nach ihrer Jugendzeit aufhörten. «Es ist uns ein Anliegen, sie und ihr Wissen nicht zu verlieren», sagt Angelika Künzle.
Heimat Toggenburg - Leidenschaft Schneesport
Die Liste der Trainerinnen und Trainer umfasst aktuell rund 50 Namen, im Club herrscht eine Stimmung, von der Jan Peter nur schwärmen kann. Der 29-jährige Architekt, Präsident des SSC seit 2022, profitierte als Kind von den Strukturen, schaffte es ins Kader des Ostschweizer Skiverbandes (OSSV) und schliesslich ins Nationale Leistungszentrum Ost nach Davos.
«Uns allen, die in irgendeiner Funktion für den Verein tätig sind, liegt es am Herzen, dem Verein etwas für die jahrelange Unterstützung zurückzugeben», sagt er. Als er noch ein Junior war, erforderte es ein enormes Engagement seiner Eltern, die ihren Sohn zweimal wöchentlich für Skitrainings in die Ostschweiz brachten. «Auch wenn ich aus dem dem Zürichsee-Gebiet komme, verbinde ich einen grossen Teil meiner Kindheit mit dem Toggenburg – mit einzigartigen sportlichen und emotionalen Momenten. Darum habe ich auch ja gesagt zum Präsidialamt beim SSC.»
Mit derselben Motivation wie Jan Peter engagiert sich auch Sabrina Sprenger. Die 40-Jährige wuchs in Wildhaus auf, wohnt mit ihrer Familie nun in Siebnen im Kanton Schwyz, ist aber Mitglied des SSC geblieben. Und es gibt für die ehemalige OSSV-Athletin keinen Grund, ihren Austritt zu geben, auch wenn sie nun nicht mehr in der Region lebt.
«Als 16-Jährige hat mich der Verein finanziell unterstützt", sagt sie, "ich hatte das Glück, von coolen Trainern wie Hans Vetsch zu lernen. Sport prägt junge Menschen. Er ist eine Lebensschule. Ich durfte das erleben und bin dankbar dafür.» Dass sie manche Stunde ihrer Freizeit in den SSC investiert, ist für sie ein Beitrag zum Erhalt eines Vereins, der ihr so viel bedeutet. Und der mit dem Dollar-System zusätzlich an Reiz gewonnen hat.
Text: Peter Birrer